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Eine "Stätte des Heils"
Kartäusermuseum Tückelhausen eröffnet - Um Bereich religiöse Gegenwartskunst erweitert
"Wir schätzen uns glücklich, das erste Museum der Diözese bei uns beherbergen zu dürfen." Robert Rackowitz, Pfarrer von Tückelhausen, Initiator und Begründer des bisherigen Kartausenmuseums, war die Freude ins Gesicht geschrieben, als er am Vorabend vor Christi Himmelfahrt die zahlreichen Gäste aus Kirche, Kunst und öffentlichem Leben in der einstigen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche begrüßte. Der Festakt hier galt der Wiedereröffnung des bereits zu Beginn dieses Jahres unter dem Namen "Kartäusermuseum Tückelhausen" in die Trägerschaft der Diözese Würzburg übergegangenen und nun um den Bereich religiöser Gegenwartskunst erweiterten Museums durch Bischof Paul-Werner.
Während wie bisher die seit 1991 bestehende und um weitere Exponate bereicherte Ausstellung im Erdgeschoß der 1803 säkularisierten Kar-tause Einblick in Geschichte, Spiritualität und Leben der Mönche gibt, die hier seit 1351 nach der strengen Regel des heiligen Bruno von Köln lebten, beherbergen nunmehr das zum ehemaligen Lettner führende Zwischengeschoß und der darüberliegende Bibliothekssaal auf rund 160 Quadratmetern über 50 Arbeiten der Malerei, Plastik und Glasfensterkunst des 20. Jahrhunderts. Sie stammen von 23 Künstlerinnen und Künstlern, die Kirchenräume im Bistum mitgestaltet haben und an diesem Ort nun "in ihren freien Arbeiten religiöser Thematik entdeckt oder wiedergefunden werden können". Einen Schwerpunkt nehmen dabei die Bilder des 1996 verstorbenen Malers Karl Clobes ein, der in diesen Räumen zeitweise lebte und arbeitete.
"Wunden der Zeit"
In seiner Eröffnungsansprache verwies Bischof Paul-Werner, ein ideeller Förderer dieser Einrichtung, auf den Namen der ehemaligen Kartause: "Cella Salutis – Zelle des Heils". Die einstigen Bewohner dieser Stätte hätten als Nonkonformisten 452 Jahre lang das hochstrebende Ideal der radikalen Nachfolge Christi zu verwirklichen versucht. Sie hätten sich nicht auf einer Flucht vor der Welt befunden, sondern Zukunft und Heil gesucht "in der Mitte der Welt – beim Herrn der Welt". Es sei ihnen dabei keineswegs um ihr privates Heil gegangen, sondern um das Heil aller Menschen. Ein wichtiger Verkündigungs- und Heilsdienst sei beispielsweise auch die künstlerische Gestaltung des Gotteshauses gewesen. Von diesem bis heute "pulsierenden Herzen" aus sei auch die Bedeutung der im Museum gezeigten Künstlerarbeiten unserer Zeit erfaßbar. Seien auch sie "Bilder des Heils"? Man müsse sich vor einer Sackgasse hüten, meinte der Bischof, denn: Bilder des Heils seien nicht gleichzusetzen mit der Darstellung einer heilen Welt. Künstlern müsse der Mut zugestanden werden, mit den "Wunden der Zeit" zu konfrontieren. Auch dies könne heilsam sein.
"Menschen auf dem Land tragen Bistum"
Beim Festakt zeigte sich der Kunstreferent der Diözese, Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, dankbar für das erste Museum der Diözese, das gerade auf dem Land eröffnet werde, dort, "wo die Menschen leben, die das Bistum zum größten Teil tragen". Zwei weitere Museen werden folgen: voraussichtlich bis zur Jahrtausendwende ein Museum volkskundlicher Ausrichtung in der ehemaligen Kartause Astheim bei Volkach, sodann das eigentliche Diözesanmuseum in Würzburg selbst, das 1931 bereits von der damaligen Diözesansynode beschlossen worden war, sich jedoch infolge Nationalsozialismus, Krieg, Wiederaufbau und vorrangiger pastoraler Aufgaben bis heute verzögert habe.
Der in Tückelhausen neu hinzugekommene Ausstellungsteil – er umfaßt die Zeit ab den dreißiger Jahren – richtet in Konzeption und Didaktik den Blick auf das Streben, sich Gott im Bild, in Symbolen und in Metaphern zu nähern. Deutlich wird nach Ansicht des Kunstreferenten in Tückelhausen auch der Beitrag der Kirche an der kulturellen Gestaltung des Lebensraumes. So nehme das Museum teil am kirchlichen Auftrag, alle Menschen auf Gott zu verweisen, sei ein notwendiger Dienst über die Grenzen kirchlicher Kerngemeinden hinaus. Inmitten des fruchtbaren Ochsenfurter Gaus gelegen, wird hier in der Tat eine Begegnung mit der Geschichte des Glaubens in Franken und seiner Kultur ermöglicht.
Wichtige kulturpolitische Rolle
Die wichtige kulturpolitische Rolle gerade auch der nichtstaatlichen Museen hob Regierungsvizepräsident Dr. Hans-Joachim Wachsmuth in seinem Grußwort hervor. Das Kartäusermuseum erschließe die geschichtlichen Wurzeln des Landes, helfe mit, Heimatbewußtsein zu entwickeln und zu fördern. Die Weitsicht der Diözese bei der Einrichtung des Museums lobte der für Tückelhausen zuständige Ochsenfurter Bürgermeister Peter Wesselowsky. Es erinnere an die bedeutende kulturelle wie wirtschaftliche Rolle der Klöster in Franken. Die Künstlerin Barbara Schaper-Oeser dankte in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Vereinigung der Kunstschaffenden Unterfrankens der Diözese für ihre vielfältigen Bemühungen um einen – fruchtbaren – Dialog mit den Künstlern und wünschte weiterhin ein "offenes Herz" für deren Belange.
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